An die Gutmenschen

Heute Morgen knippste ich Facebook an und scrollte mich einigermaßen gleichgültig durch die tägliche Lawine mehr oder weniger wichtiger Posts. Ich habe die Pinnwand hin und wieder mal aufgeräumt, Abos deaktiviert (sorry, Leute) und lese nach wie vor natürlich nicht alles. Trotz allem ist FB immer noch Quelle wunderbarer, erhellender, erschütternder, nachdenklich machender Informationen. Und heute war mal wieder ein Highlight dabei.

Das Video von 1000 italienischen Rockmusikern unterschiedlichster Couleur, die sich in Cesena auf einer Wiese zusammenfinden, um gemeinsam „Learn to fly“ von den Foo Fighters zu performen, macht seit heute Morgen die Runde und wurde inzwischen mehrere Millionen Mal angeschaut.

Mir selbst beschert es als Fan der Foo Fighters und Musiker eine wohlige Gänsehaut und ein über den Tag anhaltendes Lächeln, diese Menschen mit solcher Energie und Lebensfreude zusammen einen einzigen Song spielen zu sehen. Und das alles, um die Band in ihren Heimatort zu einem Gig zu bekommen. Chapeau für den Initiator des Ganzen und natürlich alle anderen Beteiligten.

„Aber wieso das alles?“

Ich habe mir das Video ein zweites Mal auf YouTube angesehen und anschließend die dortigen Kommentare überflogen, in Erwartung ähnlich positiver Stimmen und Stimmungen wie der meinen, was auch für fast alle zutraf. Mittendrin fand sich jedoch der Kommentar eines Nutzers, der die Sinnhaftigkeit der Aktion komplett in Frage stellte und die Beteiligten dafür kritisierte, den ganzen Aufwand für das oben genannte Ziel betrieben zu haben. Viel besser wäre es doch gewesen, das Geld, das die Einzelnen dafür aufgewendet hatten, einem wohltätigen Zweck zu widmen.

What?

Durchatmen. Meine Stimmung ist praktisch nach wie vor ungetrübt, aber zu diesem Einwurf muss ich doch ein paar Worte verlieren.

Die Welle der ubiquitären Kritik an selbst den einfachsten Dingen schwappt in allen Winkeln des Internets, und manch gelangweilter User mag es sich auf die Fahnen geschrieben haben, diese Winkel auszuloten. Als Buchautor, der auch einige Lesungen gegeben hat, sowie Rockmusiker mit nicht mehr zählbaren Auftritten gibt man sich und besonders sein Werk immer der Kritik preis, sei es positive wie negative. Besonders mit Letzterer muss man lernen umzugehen. Damit könnte der Post hier zu Ende sein, weil es die Menschen dort auf der Wiese wahrscheinlich wirklich nicht kümmert.

Ich habe nur eine Hoffnung: Dass wir weiterhin Dinge tun können, einfach nur, weil wir Bock drauf haben, solange es unsere Lebensumstände gestatten und dabei andere keinen Schaden nehmen. Wo kämen wir denn hin, wenn jede Handlung hinsichtlich Wert gegenüber der Weltgemeinschaft in Frage gestellt wird? Vielleicht haben einige oder viele der Musiker dort in Cesena Gutes für andere getan, in vielfältiger Weise. Rock on!

tl;dr

Die Aktion der Musiker in Cesena zeigt, was Musik bewirken kann, und dass man manche Dinge um ihrer selbst willen und der Freude im Leben tun sollte.

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