Männer, es reicht
Wie anfangen? Für das, was da gerade ans Tageslicht kommt, was Christian Ulmen seiner Ex-Partnerin Collien Fernandes mutmaßlich angetan hat, finde ich kaum die passenden Worte. Ich wünsche ihr – und allen Frauen, denen das Gleiche oder Ähnliches widerfahren ist und widerfährt – alle Kraft der Welt.
Und ich schreibe „angetan hat“. Nicht „angetan haben könnte“, ich schreibe nicht „Unschuldsvermutung“, nicht „in dubio pro reo“. Schon der Ansatz der Argumentation, es sei ja noch nichts erwiesen und die Gerichte sollten das bewerten, treibt mir den Zorn ins Gemüt.
Denn da sind sie wieder, die ach so Aufgeklärten, die Erklärer, die Relativierer, die das kleinste Anzeichen von Reue auf der Täterseite gegen das Opfer kehren. Diejenigen, die dem Opfer vorwerfen, mit den Details aus opportunistischen Gründen an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Die Typen, die dem Täter Milde zukommen lassen möchten, da er von einem „Fetisch“ spricht, gegen den er nicht ankommt.
So ein Bullshit!
Hier ist die rote Linie
Es gibt rote Linien, die sind absolute Geraden, keine Zickzacklinien oder Kurven. Die werden auch nicht mal eben verbogen, damit das eigene Weltbild wieder auf die richtige Seite passt.
Gewalt gegen Menschen im Allgemeinen, gegen Frauen im Speziellen, verbietet sich. Wer das infrage stellt, wer den Satz mit einem „aber …“ ergänzen möchte, soll sich umgehend einen Therapieplatz suchen. Auf jeden Fall soll er die Fresse halten.
Es wird diskutiert, aber das Falsche
Wir hatten es erst vor zwei Wochen. Da ging es um die Aussagen Manuel Hagels in einem älteren Video. Ich will die Worte des CDU-Kandidaten für das Amt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten nicht wiederholen. Das damit dokumentierte Frauenbild des Mannes ist das einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft, die über die Strukturen des Mittelalters immer noch nicht hinausgekommen ist. Wenn wir statt über Hagels Verfehlungen und seine desaströse Aufarbeitung im Nachgang darüber diskutieren, warum es richtig war, das Video zu veröffentlichen, warum es keine „Schmutzkampagne“ der Grünen war, dann läuft etwas komplett falsch.
Ich will Hagels und Ulmens Verhalten und Taten auch nicht undifferenziert in einen Topf werfen. Die Spannweite zwischen verbaler Sexualisierung und diesem widerlichen Geschehen um Ulmen mag riesig sein. Mit „rehbraunen Augen“ jedoch fängt es an. Und es endet in den heimischen Wänden mit der Faust, dem geschrienen Wort oder sexuellen Allmachtsfantasien im Internet. Und wer weiß, ob es da wirklich endet.
Macht das Maul auf
Und warum ist das möglich? Weil so viele immer noch mit den Schultern zucken, wenn der Kumpel einen blöden Spruch einer Frau gegenüber rauslässt. Einen dreckigen Witz. Wenn die Leistungen einer Frau herabgewürdigt werden, ob im Beruf oder im Privaten. Wenn wir lächeln über den Willen von Frauen zu einem selbstbestimmten Dasein. Wenn Politikerinnen diffamiert werden für progressiven Stil. Wenn sie auf ihr Äußeres reduziert werden, anstatt ihren Charakter, ihre Werte und ihre Errungenschaften anzuerkennen.
Macht das Maul auf. Diese Missstände sind nicht schwer zu erkennen und können benannt werden.
- „Der Witz war scheiße!“
- „Dein Verhalten ist unangemessen!“
- „Was Frauen angetan wird, geht gar nicht, wieso siehst du das anders?“
- „Fass sie nicht an!“
… Nicht so schwierig.
Wenn dir das so schwer fällt: Arbeite daran!
Ansonsten wiederhole ich mich gern: Halt einfach die Fresse!
