Der obere Rand eines Bücherregals, dunkler Hintergrund, auf der Fläache steht in Versalien STORY.ONE

Thalia Storyteller Award: eine Nachlese zum Wettbewerb

Im November 2023 hat story.one zum ersten Mal den Thalia Storyteller Award gestartet. Der Wettbewerb ist vorüber: Zeit für ein persönliches Fazit.

Vorab: Meine Bücher haben es nicht unter die jeweils ersten zehn Plätze der ausgeschriebenen Kategorien – Trend Stories, Best Stories, Local Stories – geschafft. Und das hier soll auch keine Abrechnung eines enttäuschten Teilnehmers sein. Der TSA war nicht meine erste Teilnahme an einem Wettbewerb oder einer Ausschreibung. Bei, wie in diesem Fall, knapp über 3.000 TeilnehmerInnen halte ich es wie der Highlander: Es kann nur einen geben. Oder eben zehn. 😎

Da es schon im Vorfeld auf Social Media einige Fragen zum Wettbewerb gab, deren Antworten auch ich nur schwer oder gar nicht gefunden habe, will ich hier meine Erfahrungen niederschreiben. Vielleicht hilft es TeilnehmerInnen zukünftiger Wettbewerbe zu entscheiden, ob sie mitmachen möchten.

story.one: Wie die Plattform funktioniert

Auf der Online-Plattform story.one können AutorInnen in einem festgelegten Format direkt im Browser ihrer Wahl die eigene Geschichte schreiben. Dazu ist vorab das Anlegen eines Benutzerkontos notwendig. Das Schreiben geht sogar unterwegs auf dem Smartphone, wenn das fummelige Tippen von längeren Texten auf dem Display auch nicht so meins ist. Aber das ist nur eine persönliche Präferenz.

Das Format ist auf den ersten Blick recht strikt vorgegeben: Ein Buch muss aus mindestens zwölf und darf aus maximal siebzehn Stories bestehen. Jede Story darf maximal drei Seiten enthalten und optional am Beginn auf einer vierten Seite einen Text (z. B. ein Zitat) oder eine Grafik oder ein Bild. Das ergibt ein Buch mit einem Umfang von etwa 55 bis 80 Seiten inklusive Impressum, Inhaltsverzeichnis, Autorenvita usw. Das Gesamtwerk muss keine durchgehende Geschichte sein, es kann sich dabei auch um eine Sammlung von Kurzgeschichten handeln. Ebenso gibt es keine Beschränkung, was Genre und Thema angeht.

Das fertige Buch kann am Ende über story.one veröffentlicht werden. Kosten entstehen durch die Mindestabnahmemenge von einem Exemplar, und das sind einheitlich 18.- €. Zusatzkosten entstehen durch individuelle Gestaltungen wie ein hochgeladenes Cover oder eine alternative Cover-Vignette (das Label hinter dem Buchtitel). Die Bücher erhalten eine ISBN und sind nach wenigen Tagen bei allen Online-Buchhändlern verfügbar und beim lokalen Buchhändler bestellbar.

Die Plattform bietet über den Rahmen des Buchschreibens hinaus noch einiges mehr. So kann man seine einzelnen Stories direkt online veröffentlichen und sich dazu mit der Community austauschen. Interessierte LeserInnen erhalten Einblick in die Texte und können neue AutorInnen entdecken.

Der Wettbewerb

Bis zum 10. März konnte das eigene Buch auf die oben beschriebene Weise bei story.one fertiggestellt werden. Durch Eingabe eines Gutscheincodes war es möglich, bis zu 100,- € der entstehenden Kosten zu kompensieren. So war die individuelle Buchgestaltung und die kostenlose Teilnahme am Wettbewerb möglich.

Aus den ~3.000 Einreichungen wurden in einem ersten Schritt jeweils drei Favoriten für die Sonderpreise in den Kategorien LGBTQIA+, Schönstes Design und Bilingual von einer Jury ausgewählt. Online konnte öffentlich über die Sieger abgestimmt werden.

Die Wahl in die Top Ten in den eingangs genannten Hauptkategorien erfolgte dann allein durch die Jury der Veranstalter. Die Siegertitel wurden am 22. April bekanntgegeben. Für die AutorInnen winken je nach Kategorie unterschiedliche Promo-Aktionen, Events und die Präsentation in ausgewählten Thalia-Buchhandlungen.

Was story.one kann – und was nicht

Stefan Wetterau hinter der Kante eines Notebookdeckels; er hebt ratlos die Arme und lächelt. Persönliches Fazit zum Wettbewerb

Ich habe mit dem Schreiben direkt im Browser begonnen. Der Texteditor bietet eine recht zuverlässige Rechtschreibprüfung. Hier möchte ich anmerken, dass das Erstellen einer persönlichen Bibliothek zumindest für Eigennamen sehr hilfreich wäre, denn beim Aufruf einer anderen Story bemängelt der Editor „falsche“ Wörter erneut, die man zuvor als korrekt getaggt hat.

Da ich durchgehende Geschichten geschrieben habe und mir der Wechsel zwischen den einzelnen Storys (bei mir: Kapitel) zu träge war, bin ich rasch zu meiner bevorzugten Autoren-Software Papyrus gewechselt und habe die Geschichten dort geschrieben. Neben der Stilanalyse habe ich hier weitreichendere Möglichkeiten beim Schreiben, unter anderem alternative Anführungszeichen (Guillemets). Diese bleiben auch beim Zurückkopieren in den Online-Texteditor erhalten.

Gewöhnungsbedürftig finde ich den finalen Buchsatz, insbesondere die Absatzformatierung: Absatzeinzüge werden automatisch gesetzt, allerdings haben Absätze grundsätzlich unten einen einfachen Zeilenabstand. Dadurch wird der Text „zerrissen“. Außerdem gehen unnötig Zeilen in der Story verloren. Einzige Lösung ist hier, mit einfachen Zeilenumbrüchen (Shift+Enter) zu arbeiten und den Einzug durch manuelle Leerzeichen zu realisieren.

Die einzelnen Storys können jeweils aktuell in einer Voransicht betrachtet werden. Hier wird wirklich 1:1 der finale Buchsatz dargestellt, und man erhält eine Warnung, falls die maximale Anzahl von drei Seiten überschritten wird.

Die finale Zusammenstellung des Buchs aus den einzelnen Storys/Kapiteln erfordert dann noch ein wenig Aufmerksamkeit und Geduld. Die Storys müssen finalisiert werden und stehen dann für das Buch zur Auswahl zur Verfügung. Die Reihenfolge und etwaig eingesetzte Zitate oder Bilder müssen geprüft werden. Die Plattform checkt individuell erstellte und hochgeladene Coverbilder auf ausreichende Qualität und bietet auch hier eine Voransicht des finalen Covers, die nur gering von der endgültigen Druckversion abweicht.

Da ist mehr drin

story.one versucht es den Kreativen durch viele einheitliche Vorgaben leicht zu machen. Dahinter steckt natürlich auch die Intention einer möglichst weitreichenden Automatisierung im Sinne der Wirtschaftlichkeit. Der Buchsatz, der bereits beim Erstellen über ein PDF-Rendering exakt geprüft werden kann, stellt gewiss die Basis für den Buchdruck dar. Verbesserungspotenzial hat die Plattform trotzdem an vielen Stellen.

Um dieses Statement in einen Kontext zu setzen: Ich bin Webprogrammierer und beschäftige mich täglich mit GUIs, UX-Design, User-Journeys, Responsezeiten, Browserkompatibilität und Responsive Design. Die Weisheit habe ich trotz Fachkenntnis nicht mit Löffeln gefressen und hechle neuesten Entwicklungen manchmal im Eiltempo hinterher.

Den Entwicklern der Plattform wird es ähnlich gehen. Das System ist noch recht neu, und die Betreiber sind auf konstruktives Feedback von Nutzern angewiesen. Ich gehe davon aus, dass dieses dankbar angenommen wird.

Die Kommunikation im Wettbewerb

Der weitere Verlauf des Wettbewerbs lag dann bei den Veranstaltern, abgesehen von der Finalwahl der Siegertitel in den Sonderkategorien. An dieser Stelle offenbarte sich eine Schwäche des Awards: die Kommunikation.

Zeitgemäß findet der größte Teil der Promotion über Social Media statt. In regelmäßigen Abständen wurden die TeilnehmerInnen durch Clips, Fotos und Text angeschubst und motiviert. Die Qualität der Posts will ich hier nicht thematisieren, das ist absolut Geschmackssache und wird ziemlich sicher auch zielgruppen- und altersabhängig unterschiedlich bewertet. Der Löwenanteil der Kampagne geht auf das Konto von story.one. Thalia erschien nach meinem Empfinden erst gegen Ende auf der Bildfläche.

Anlass zu Kritik bietet das Ausbleiben einer Teilnahmebestätigung. Am Ende der Bestellung habe ich den Gutscheincode eingegeben, der mir zuverlässig die Kostenersparnis bescherte und nach Kundtun der Veranstalter die Teilnahme am TSA sichern sollte. Allerdings lieferte weder die Bestätigungsseite noch die resultierende E-Mail einen Hinweis darauf, ob meine Einsendung tatsächlich am Wettbwerb teilnehmen würde. Auch online gab es nirgends eine Übersicht über die teilnehmenden Bücher. In meinem story.one-Account bei den Büchern ein Tag oder Label? Fehlanzeige. So kann man als Teilnehmende/r nur hoffen, dass das schon irgendwie geklappt hat.

Trommelwirbel: die Entscheidungsphase

Unmut kam in der Community erstmals spürbar auf, als die Finalisten zur Wahl der Sonderpreise bekanntgegeben wurden, insbesondere in der Kategorie „Schönstes Buchdesign“. Nicht nur die TeilnehmerInnen zeigten sich in den Kommentarspalten auf Instagram von der Vorauswahl enttäuscht, auch andere enthielten sich ihrer Zustimmung zu einem der drei Vorschläge, weil sie keiner davon zu überzeugen vermochte. Erwartbar wurden Fragen gestellt nach der Zusammensetzung der Jury sowie den Auswahlkriterien, die seitens story.one/Thalia, so weit ich bisher sehen kann, noch nicht final beantwortet wurden.

Keine bezahlte Werbung, und das sind auch nicht die Gewinnertitel im Wettbewerb: Die folgenden drei Cover bzw. Buchdesigns wären für mich persönlich in die engere Wahl gekommen. Das ist nur mein subjektiver Geschmack. Ein Blick in die Bücher zeigt stimmige Illustrationen zu den Geschichten.

Wie etwa 3.000 andere saß ich am 22. April um 11 Uhr mit Herzklopfen vor dem Bildschirm und las die Liste der Siegertitel. Hoffnung macht man sich schließlich immer, aber nach einigen Jahrzehnten als Schriftsteller und mehreren nicht angenommenen Manuskripten rangieren die Erwartungen an solche Wettbewerbe und die eigenen Gewinnchancen irgendwo im Mittelfeld. Deshalb war die persönliche Enttäuschung auch nicht so massiv.

Trotzdem stellte sich mir bei der Durchsicht der Siegertitel, ohne deren Qualität oder ihren Anspruch auf die Platzierung anzweifeln zu wollen, erneut die Frage nach den Bewertungskriterien und den Beweggründen der Jury. Ich habe besonders in den letzten Wochen in viele Leseproben anderer teilnehmender Bücher hineingelesen und habe dabei schriftstellerisch hochwertige, ansprechende und spannende Veröffentlichungen gefunden, die allemal einen Platz unter den ersten zehn verdient hätten. Das gilt auch für die Cover- und Buchdesigns.

Fragen und Antworten

Mehr Transparenz an dieser Stelle – wer stellt die Jury, was wird wie stark gewertet – wäre für die Teilnehmenden von großem Interesse, welches in Social Media auch bekundet wurde. Dort kam ebenfalls die Frage nach einem Ranking oder zumindest der Top 100 auf. Für Schreibende ist jede Art von Feedback von großem Wert, weshalb wenigstens ein ungefährer Hinweis auf eine Platzierung hilfreich und motivierend sein kann.

Ob alle Veröffentlichungen einer eingehenden Prüfung unterzogen wurden, lässt sich für mich nicht abschließend erkennen. Bei der Anzahl an Teilnehmenden und der relativ kurzen Zeit zwischen finalem Abgabedatum am 10. März und der Verkündung der Siegertitel am 22. April hängt das von der Zahl der JurorInnen ab. Vor diesem Hintergrund wäre es dann nachvollziehbar, dass die Aufstellung und Veröffentlichung einer Rangfolge nicht möglich ist.

Fazit: Nach dem Award ist vor dem Wettbewerb. Oder dem Roman.

Als Schreibender nehme ich Wettbewerbe wie den Thalia Storyteller Award von story.one gleichermaßen ernst und stelle mich ihnen mit einem gewissen Langmut. Sie stellen eine Herausforderung dar, besonders unter den Voraussetzungen, die story.one über die Plattform hinsichtlich Kapitellänge und -anzahl schafft. Im Vorfeld standen diese Limitierungen stark in der Kritik, und einige Interessierte schlossen ihre Teilnahme deswegen kategorisch aus. In der Tat war es zum Teil aufwändig, die Kapitel schlüssig aufzuteilen und ordentliche Cliffhanger zuwege zu bringen. Sich solchen Regeln unterzuordnen erfordert Toleranz und Kompromissbereitschaft. An so etwas kann man wachsen.

Auf der anderen Seite ist so ein Wettbewerb auch nicht alles. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sein schriftstellerisches Schaffen in die Welt zu bringen. Ob man sich dabei mit anderen messen will, bleibt jeder und jedem selbst überlassen. Wer’s braucht … Diese Woche hörte ich eine Schauspielerin im Fernsehen sagen: „Preise sind wie Hämorrhoiden: Am Ende bekommt sie jeder Arsch.“

Einen schönen Abschluss findet der Award in zahlreichen Kommentaren, in denen Teilnehmende schreiben, dass sie so erst den Antrieb und den Mut zur Veröffentlichung ihrer Geschichte gefunden haben. In Zeiten, in denen das Lesen und besonders das Schreiben spürbar an Bedeutung zu verlieren scheinen, ist es ein Mut machender Gedanke, dass durch einen solchen Wettbewerb wieder Menschen die Schriftstellerei für sich entdecken.

Mir persönlich hat der Wettbewerb drei wundervolle Bücher beschert, mit liebevollen Illustrationen, die meine Frau Doreen kreiert hat; mit drei tollen Geschichten, die mir sehr am Herzen liegen und für die ich von meinen LeserInnen bereits schöne Rückmeldungen bekommen habe.

Vor einer stilisierten Wiese und blauem Himmel stehen die drei Bücher Horatio, Magier, pensioniert - Der Mond stinkt, Käptn - Dreimal um den Schimmerstein von Stefan Wetterau

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